Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruchstück aus dem noch ungedruckten Werke " Selima's Stunden der Andacht und der Weihe für gebildete Israelitische Frauen und Mädchen"
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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12 gen sein ließen, der Freude nachzujagen und ihr zu huldigen, keine ihrer Begierden unbefriedigt zu lassen, und jede derselben gleichsam in der Geburt schon z» stillen. Was ihre Sinne ansprach und reizte, hatte in ihren Augen den größten Werth — alles andere war ihnen lächerlich und verächtlich. Sie sprachen es deutlich aus, und!n ihre» Handlungen zeigten sie es noch deutlicher, daß sie hierin ihr Glück, ihre Bestimmung suchten und fanden. Oie, die anders dachten, anders handelten, wurden der Gegen» stand ihres Spottes. — Aber in ihrem Genüsse lag auch ihr Untergang, und nur einige Schritte von ihrem Wvllustleben stand auch das Grab desselben. Anfangs schienen sie heiter, froh und glücklich zu sein. Ihre Lust ward wiederholt — sie wurden unersättlich, aber auch gleichgültiger und kalter gegen die» selbe, und endlich ihrer überdrüßig. Und welche traurige Spuren ließ sie hinter sich an ih« ren Jüngern zurück? Viele derselben sind abgespannt und erschöpft, unfähig selbst die mäßigsten Freuden des Lebens zu genießen. Andere seufzen in Armuth und Dürftigkeit, ihren Nebenmenschen zur Last. Und wieder andere schmach» ten in Krankheiten und Schmerzen, an den Folgen ihrer Unmäßigkeit und Unersättlichkeit. Ihr Wesen verräths, daß sie sich gröblich in dem getauscht, was sie für ihre Bestimmung hielten, und jede Erinnerung an das ver» xailgrne und vergängliche Sinnenlebrn w!rd ihnen z»w neuen Furie, die in ihrem Innern grausam wülhet und wie ein scheußliches Gespenst sie -erfolgt.