Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruchstück aus dem noch ungedruckten Werke " Selima's Stunden der Andacht und der Weihe für gebildete Israelitische Frauen und Mädchen"
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
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10 Aber wie? wären es vielleicht der Sinne tauftndfa« chcn Freuden, welche mit einem zauberischen Reiz auf jedes Erdenkind wirken — sollte ich nicht berufen und bestimmt sein, mich ihnen zu widmen? sie zu genießen? Liegt nicht ein Trieb zum Vergnügen in meiner Seele, welcher Befriedigung erheischt? Sollte ich nicht die wenigen Minuten des Lebens, und den kleinen, mir zum Auftuthalte angewiesenen engen Raum mit abwechselnden Vergnügungen dergestalt anhauftn und füllen, daß kein Moment, rein Punkt unbesetzt bliebe? Siebtes nicht reiche unversiegbare Quellen der Lust, aus denen ich ohne Unterbrechung schöpfen kann, wenn ich nur will? Ist es nicht rathsam und klug, mich in ein Meer von Genüssen zu stürzen und mich dergestalt zu berauschen, baß ich, taub gegen des Lebens Beschwerden und Mühen, in einem süßen Taumel dahin walle, bis die Sekundenuhr meines Lebens abgelaufen ist? Ist es nicht klug, an dem reizenden Busen der Freude zu ruhen, bis man mich abrust von diesem Schauplatze? — Verführerisch und anlockend, wahrlich, lauten diese Stimmen! Ich will einen Blick in mein Inneres thun, in die Tiefen meiner Seele steigen und mit dem Hellen Lichte der Erfahrung untersuchen, ob sie bei dieser Bestimmung ihre gewöhnliche Ruhe und Stille behält. Wenn ich mich selbst erforsch«, so muß ich wohl ein« gestehen, daß ich in meinem ganzen Wesen nie mehr Lücken und Erschöpfung fand, als wenn ich von solchen Gesellschäften zmückkam, in welchen für die Freuden und Vergnügungen der Sinne am meisten gesorgt war, wo man