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Sulamith · 1812-01-01 · Heft 2 · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
4 (1812)
Issue
Heft 2
Article
Bruchstück aus dem noch ungedruckten Werke " Selima's Stunden der Andacht und der Weihe für gebildete Israelitische Frauen und Mädchen"
Date
1812-01-01
Page
Seite 9 (sequence 2)
Language
German
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Hättest du uns, Vater im Himmel! wohl dieses Zweckes halber nach deinem Bilde geschaffen? deshalb mit so vielen und so großen Fähigkeiten ausgestattet? Mit Vernunft, Freiheit und Unsterblichkeit de« gabt? Wäre unser Leben auf diesem Planeten nichts werter als ein bloßes Spiel, eine Tändelei? Unsre Erde nichts weiter als eine wohl besetzte Tafel, an der wir unsrrm Leibe gütlich thun sollen? Eine reiche Goldgrube, in welche wir steigen sollen, um unsere Taschen anzufüllen? — Ich kenne viele, die ihre Bestimmung darin zu finden wähnen, daß sie unaufhörlich nach Reichthum und Schätzen streben, und in denselben den Zweck ihrer Tage suchen. Mit einer Begierde, die keine Gränzen kennt, suchen sie ihre Absicht zu erreichen; aber je mehr sie nach dem glanzenden Ziele trachten, rennen und lagen, je mehr und je weiter scheint es sich von ihnen zu entfernen, und man kann wohl von ihnen sagen: Je reicher sie werden, je mehr fehlt ihnen. Nein, dieß kann unmöglich der wahre Zweck dieses Lebens sein, und kann mich nur dann einigermaßen befriedigen, wenn ich in meinen gesammelten Schätzen Wege und Mittel finde, mir wahrhafte und un« vergängliche Lebensgüter dafür einzutauschrn und anzueig« nen. Geschieht dieß nicht — so bleibe ich im Innern mei» ncs Gcmüthes leer und unbefriedigt, und nur scheinbar und unwesentlich ist das Glück, dem ich meine besten Kräfte widmete; ich bete einen goldenen Götzen an, der mir nichts nützt und frommt, und kann bei allem Ueberfiusse das verworfenste Geschöpf auf Gottes Erden sein. Nein, dieß kann der Zweck und dir Bestimmung des edelsten Gcschö« pfes unmöglich sein.

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