Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Verbesserung der kirchlichen Verfassung der Israeliten in den Königl. Preußischen Staaten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 401 (sequence 21)
- Language
- German
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401 THeil des Volks die fadesten Ceremonien mit den wichtig, sten Religionswahrheiten in «ine Klasse. So wie der schwärmerische Zelote, der eigentliche Pharisäer im Sinne der Talmudisten, der unbedeutendsten Ceremonie gleiche Heiligkeit mit den höchsten Prinzipien der Religion giebt, so verwirft auf der andern Seite der Zügellose, der rin« mal Gesetze zu übertreten gelernt hat, die wahre Religion sammt ihrem ganzen Nimbus. Beides, Aberglaube wie Unglaube, kann, wenn es um sich greift, für bürqerliche und kirchliche Verfassung sehr gefährlich werden, wenn wir nicht aus allen Kräften dem Uebel vorzubeugen suchen. ״Es ist eine Zeit, um des Ewigen willen etwas zu thun". So sehr aber die dringende Nothwendigkeit einer Ver» änderung der Synagoge am Tage liegt, so sehr ist beson. der« Behutsamkeit dabei nöthig. Soll die beabsichtigte Ver« änderung von gutem Erfolge sein, d. h. soll sie die ganze Nation willig aufnehmen, so muß auch die ganze Nation dabei berücksichtigt werden, und es darf keiner Parthei auf Kosten der andern etwas einqeräumt werden. Wahrlich, keine kleine Aufgabe! — Eine besondere kirchliche Einrich« tung für eine Gemeinde, deren bürgerliche Verfassung mit der einer weit größern Gesellschaft innig verwebt ist und rin geschloffnes Ganze ausmacht, ist ein sehr schweres Problem. Besondere Schwierigkeit bietet der vorliegende Fall dar. Das alte kirchliche System ist bis auf den Grund erschüttert, und doch muß das neue nicht! nur auf den Grund des alten, sondern gleichsam aus den alten Materialien desselben erbauet werden. Hier liegt die große