Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Menschenfreundliche Charakterzüge
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 4)
- Language
- German
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Nun kniete der edle Pfarrer vor dem Altäre nieder, und betete mit lauter Stimme ein Later unser für die Ju« denseeie. Allgemeine Rührung ergriff die Gemeinde, Wes stürzte nieder, und aus jedem Munde stieg e i n Gebet gen Himmel. 3* Das Hemd. Der zunge P. war rin talent - und hoffnungsvoller Mensch. Unglückliche Verhältnisse wiesen ihm den Posten eines jüdischen Oorfschulmeisters an. Aber auch von dir» fem vertrieb ihn sein Unstern; er mußte weiter wandern. Nicht weit von feinem Dorfe, in dem vorhin erwähn» ten M., wohnte Daniel» ein armer aber sehr rechtlicher Jude. Der junge P. war sein Freund, und wollte, vor seiner Wanderung, Abschied von ihm nehmen. Aber wie erfchrack Daniel, als er seinen Freund, ohne Geld und Kleidung, und selbst ohne rin ganzes Hemd zu haben, iw Begriff sah, e ne Reise in die weite Welt und unge» wisse Zukunft zu machen! Thronen entstürzten dem Armen, der nun sein Elend doppelt füllte, da er seinen P. ohne Unterstützung und trostlos von sich lassen mußte. Er hieß ihn niedersitzen und entfernte sich. Sein Weg ging zum Pfarrer B. — Diesem, dessen edles H׳rz er kannte, er» zählte er einfach und rührend das Schicksal seines Freun» des. D. gehr hinaus, und kommt mit einem Hemd und einem paar Hosin zurück. Diese, sagte er zu Daniel,