Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Menschenfreundliche Charakterzüge
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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des Orts, und suchte ihn durch Theilnahme und Trost« gründe so weit aufzurichtcn, als das unter solchen Um« standen gehen wollte. Den Sonntag drauf trat Pfarrer B.» nach dem Evangelium» vor den Altar, und hielt folgende kleine Anrede an die Gemeinde: ,,Meine geliebten Freunde! Ihr alle kennt den Trauerfall, welcher unfern Samuel N... durch den plötzlichen Hintritt seines, einzigen Sohnes betroffen. Ihr liebtet und schätztet beide nach Verdienst; und werdet jenem eure Theilnahme. und die« fcm eure Fürbitte vor Gott nicht versagen. Und so laßt uns denn vereint ein Vater unser beten, für die hingeschic« dene Seele des jungen Simeon N..., der..." Hier wurde der Pfarrer durch ein dumpfes Murmeln unterbrochen. Menschenliebe und Vorurtheil traten bei der Gemeine in zwei Waagschalen, und die letztere drohte zu sinken. Mit erhabner Stimme fuhr der Pfarrer fort: Wie, meine Brüder? Ihr tragt Bedenken! ihr nehmt Anstand, eure Liebe gegen einen Geist zu beweisen, für dessen Hülle ihr so oft sie bewährtet? Wer von euch hätte nicht freudig sein Fürwort für den Verstorbenen bei einem Fürsten eingelegt; und bei Gott wollt ihr chm dieselbe versagen? Glaubt ihr, dieser habe, wie ihr, mehr Vor« urtheil als jener? Christen wollt׳ ihr scyn» und seyd keine Menschen!" (bedeutende Stille) ״Gut denn. Ich bete für den Geschiedenen, der so gewiß selig wird, als ihr und ich cs dereinst zu werden hoffen."