Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Betrachtungen am Neujahrstage, über die Flüchtigkeit, den Wechsel und den großen Werth der Zeit und über die Anwendung derselben
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 13)
- Language
- German
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2Z5 cher sonst Dürftige mag jetzt neben den Vornehmen und Großen wohnen, und wie mancher, den man im vorigen Jahre mit dem Namen Bettler bezeichnete, mag jetzt in den schönsten Prachtkleidrrn einhergehen und die einst empfangne milde Gaben, dem, der sie ihm spendete, wie« der vergelten — so unbeständig und wandelnd sind die Güter auf Erden! Die Bestimmung des heutigen Tages fordert uns dringend auf, diesen Wechsel genau zu erwä« gen und aus ihm Derhaltungsregeln für die Zukunft zu ziehen. Schatze deine gegenwärtige Lage, mein Bruder! richtig und nicht über ihren Werth, werde nicht stolz und übermüthig im Glücke, verzage nicht und laß den Muth nicht sinken im Unglücke, ist dir erste goldne Regel, welche uns der immerwahrende Wechsel der De« gebenheiten zuruft. Ist cs nun einmal gewiß, daß Glück und Unglück sich gegenseirig die Hände bieten und abwech« scln: so betrügst du dich sehr, Leichtsinniger, wenn du auf deine eingesammeltr Schätze pochst und vb deines Schicksals und zugethestten Looses auf Erden triumphirst, dich sorgenlos deinem Glücke hinzicbst und einer, alle Gränzen überschreitenden Freude huldigst. — Bauest du etwa auf die feste Burg deines Reichthumes, welche deine Hände, oder die deiner Ahnen aufgeführt haben! — ach! die nächste Stunde kommt — und sie siürzt ein! Sitze nicht so sorglos, Leichtsinniger! Jetzt ist alles klar und heiter um dich her; aber in wenigen Minuten thürmen sich über deinem Haupte gewitterschwangcre Wolken, und R 2