Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Betrachtungen am Neujahrstage, über die Flüchtigkeit, den Wechsel und den großen Werth der Zeit und über die Anwendung derselben
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 5)
- Language
- German
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Meine geliebten Zuhörer! Nachdem der heilige Sänger über die unsterbliche Dauer des Allmächtigen, und über die Hinfälligkeit deS schwachen Menschen Vergleichungen angestellt; nachdemer die Ewigkeit Gottes, vor dessen Augen tausend Jahre gleich einem einzigen Tage geachtet werden, und die kurze Spanne von Raum und Zen, welche dem Erdensohn an« gewiesen ist, in frommer Oemuth gegenüber gestellt; nach« dem er die Mühseligkeiten dieses Lebens beklagt und den Leichtsinn gerügt, mit welchem wir unsere Tage zu ver« scherzen pflegen — ruft er in seiner heiligen Begeisterung aus: Ach lehre uns unsere Tage zählen, da» mit wir weise werden! — So ruft der Göttlichste unter den Menschen, und so wollen wir ihm Nachrufen Und von heute an, von diesem neuen Zeitabschnitte an, sollen diese Worte unser Wahlsprnch werden, den wir im Munde und im Herzen tragen wollen. Bei jedem Schritt, den wir thun, bei jeder Handlung, die wir verrichten, wollen wir unsere Tage zählen und deren Kürze immer vor Augen haben, damit wir, wie unser Tert unS belehrt, «in weises Herz erlangen. Wer seine Tage zählt, meine Brüdlr! wird erstens alle diejenigen Pflichten in Erfüllung bringen, welche er sich, seinem eignen Heile, seinem physischen und moralischen Daseyn schuldig ist, ohne Aufschub, ohne die geringste Verzögerung auf einen, wie er etwa wähnen könnte, auf einen günstigen Augenblick. An der Bildung feines Geistes und Herzens wird er schon früh, in seinem Frühling«, in der Blüthe feines Alters zu arbeiten anfan«