Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gesammelte Blumen und Früchte zur neuern Sittengeschichte der Israeliten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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147 heiliger Scheu um ihn herum, oder bei ihm vorbei. — Das ganze Jahr, die Sonnabende und Feyertage ausge» nommen, aß er kein Fleisch weder von Landthieren noch von Fischen, trank keine geistigen Getränke und ging tag.!ich ins kalte Bad. Montags und Donnerstags hielt er strenge Fasten, wo er vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne gar keine Speise genoß. An Werkheiligkeit und Aufsehncrregcn muß man nicht denken, sondern Alles war tiefer und stiller Ernst. Er brachte fast den ganzen Tag entweder in der Synagoge, oder in den Lehrschulen zu. In den letztem saß er gewöhnlich im Winkel, und horchte auf das laute Lesen und Etudiren des Talmuds, obschon er nichts davon verstand; weil er auch dieses für eine gottgefällige Beschäftigung hielt. Er war — waS Gelehrsamkeit und Sprachen betraf, höchst unwissend; übrigens ein verständiger welterfahrner Mann, der sich bestimmt und deutlich und freimüthig auszndrücken wußte. Inder Lchrschule, umringt von einem Kreise der Jung»!inge, erzählte er gern allerlei Begebenheiten, die ihm zu» gestoßen waren, alles mit großer Unbefangenheit, so daß man ihn begierig und mit unvermindertem Interesse hörte; — seine eigne Geschichte jedoch nur, wenn er dringend aufgefordert ward. Sie war kurz, aber höchst rührend und lautete folgender Gestalt: ״Fragt mich nicht, wie ich heiße und woher ich bin: ich bin ein Baal Teschuba. In der Stadt, wo ich wohnte, war eine ansehnliche Jndengcmeinde, und ich einer der Wohlhabendsten unter!hr. Mein Gewerbe war Viehhan« des '"'.If?!ch einst auf dem (Synagogen) Hofe Geld un. L 2 ter