Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
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9» dauernswerth, ihr Kleinen! Aus allzu ängstlicher Fürsorge bringt man euch um die glücklichsten Jahre eures Lebens, vielleicht gar um körperliche Kraft und Frohsinn, die euch das spätere Alter nimmermehr wiedcrgcben kann. Die gesellschaftlichen Einrichtungen und Vonirtheile, denen ihr einst erwachsen einen so starken Tribut eurer Glückseligkeit zollen müßt, haben eure Kindheit schon mit Lasten beschwert» und die es so gut mit euch meinen, erschweren euch diese Bürde, die man so sorgfältig zu erleichtern sucht. Noch von einer andern Seite betrachtet, schaden so viele Lehrstunden dem Fortschreiten des Geistes und der wahren Bildung. Ein jeder Unterricht muß besonders dahin zielen, die Selbstthätigkeit des Schülers zu erwecken. Er soll dem Schüler die ersten und mühsamsten Schritte auf der Bahn einer Wissenschaft oder Kunst erleichtern, Muth und Selbstvertrauen anregen und verstärken, aber keineswegs von Schritt zu Schritt am Gängelbande füh« ren und begleiten. Der von einer Lehrstunde zur andern gehende Schüler gewöhnt sich daran, immer andere für sich denken zu lassen; keine Nothwcndigkeit zwingt ihn zum Selbstdcnken und Forschen, und endlich verliert er alles Vertrauen auf seine eigne Kräfte, wagt keinen Schritt, wenn ihm der Führer nicht zur Seite geht, und bleibt da still stehen, wo dieser ihn verließ. Dieses ist das Schicksal so vieler Menschen, die in ihrer Jugend mit Lehrstunden überladen waren; wo ihre mechanisch erwor. denen Fertigkeiten nicht hinreichen, wo ein Vorfall nicht zu dem Alltäglichen gehört, da stehen sie unbeholfen und verlegen da, und sehen sich nach Hülfe um- In keiner