Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
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"" 89 ober sich in Gedanken in seine eigene Jugend versetzen kann, wird die Stufe, die ein Knabe von gewöhnlichen Anlagen in seinem vierzehnten Jahre erreichen kann» nickt so hoch hinauf stellen. Wie weit kann er cs in Sprachen, auf welche man doch ein so großes Gewicht legt, gebracht ha» ben Die Kunst, seine Gedanken deutlich und zierlich aus» zudrücken, ist eine der spätesten, die der Mensch erlangt. Eie setzt nickt allein richtige Begriffe, zusammenhängendes Denken, Ueberblick und Anordnung voraus, sondern er« fordert auch ein feineres Gefühl für's Schöne und Schick« liche, einen gewissen Grad von Besonnenheit und ruhiger Beurtheilung; Eigenschaften, die selbst ein guter Kopf nur durch lange Uebung erwirbt. Und wie beschrankt ist der Stoff, an dem ein vierzehnjähriger Knabe seine Kraft üben kann! Die meisten Verhältnisse des Lebens sind ihm fremd, und in sein Inneres vermag er noch weniger einen schauen» den Blick zu werfen; die Kunst, sich selbst zum Gegenstände seiner Betrachtung zu machen, ist ihm noch ein Rathsel. Ist seine Einbildungskraft lebhaft, so beherrscht sie ihn und kann sich der Herrschaft des Verstandes noch nickt unterwerftn; ist sie aber schwach, so ist ihm jeder Stoff leer und unfruchtbar, da er noch unvermögend ist, einem Ge» genstande durch anhaltende Betrachtung eine interessante Seite abzugewinnen. Wenn dieß in der Muttersprache der Fall ist, wie viel mehr in einer fremden, wo über dem Kampf mit dem Ausdruck der Gedanke leicht verloren geht. Auf einen gründlichen, zusammenhängenden und fruchtbaren Unterricht in der Moral muß die Schule beinahe Verzicht lhun; denn w!e ist es möglich, einem Kna- 1'־ jabr«. 1. Band. ©