Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
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So Macht des Beispiels zu kämpfen haben? Wie schwach ist selbst bei Erwachsenen, die Gewalt des von den stärkste« Vernunftgründen erzeugten Willens über licbgewordene Gewohnheiten; und ein Kind, dem die meisten sittlichen Lehren reine lebendige Beziehung haben können, sollte durch die Gewalt solcher Lehren allein gelenkt werden können? Be« dürfnisse, Verhältnisse, Umgebungen, Gewöhnung, dicß sind die eigentlichen Erzieher des Menschen; sind diese schön, gut und edel, so wird sich das Schöne, Gute und Edle im Gemülh entfalten, und die Lehre mag es dann zum Eigenthum der Vernunft cmporheben; findet aber das Ent« gegcngcsctzte Statt, dann sind alle Lehren gleich Saamen« körncrn, auf flüchtigen Sand dahingestreut: der erste Wind verweht sie, ehe sie Wurzel fassen können. Man macht daher eine überspannte und ungerechte Forderung an eine Schule, wenn man ihr auch die Erziehung aufbürden will. Das elterliche Haus ist der Ort, wo sich der sittliche Charakter entwickelt und gestaltet: hier regen sich die ersten Triebe, erwachen die ersten Begierden, entstehen die ersten Neigungen, entbrennen die ersten Leidenschasten; hier kann jebc böse Anlage im Keime erstickt werden, ehe sie sich mit weitausgestrecktcn Wurzeln einnisien kann. Eben so können viele Tugenden nur im elterlichen Hause erweckt und genährt werden. Reinlichkeit, Ord« nnng, Mäßigkeit, finden hier ihren eigentlichen Uebungs« platz, können hier in ihrem ganzen wohlthatigen Einfluß erscheinen, und jeder Lehrer hat wohl die Erfahrung ge« macht, wie schwer es hält, einem Kinde Ordnung in sei«