Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2304627-2304640-2304641-2306309--03573-2306568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
79 licht» Begierden und Neigungen genau verbunden, vielleicht in der Wiege schon eingesogenen Eindrücke sollte die Schule verbessern, nach Gefallen andern oder gar zerstören können? Und hört denn mit dem Eintritt in die Schule der Einfluß der häuslichen Erziehung auf? Wird das Kind nicht von Eltern, Verwandten, Bedienten und Mägden, ja selbst durch die leblosen Gegenstände, die es umgeben, unwillkührlich fort erzogen und geleitet? Wo spricht sich seine Natur am bestimmtesten aus? Wo offenbaren, entwickeln und gestalten sich seine stärksten Neigungen, Degierden und Leidenschaften? Da, wo seine ersten Bedürf- Nisse befriedigt, seine liebsten Wünsche erfüllt werden; da, wo seine Person die meiste Aufmerksamkeit erregt, wo man so bereitwillig ist, seinem Willen nachzugcben, wo sein Thun und Reden so oft allgemeinen Beifall erregt und so selten getadelt wird. Hier tritt sein Inneres frei und unbefangen hervor; die verborgensten Triebfedern seiner Handlungen offenbaren sich den! beobachtenden Auge und zeigen ihm, wie er auf das kindliche Ccmülh wirken kann und muß, wie er, den Spuren der Natur folgend, diese zu schwache Kraft durch künstliche Stärkungsmittel steigern, jener gewaltsam hervorbrechenden einen Damm entgegen setzen, und so ein harmonisches Ganze erzielen könne. Wenn aber, wie das gewöhnlich der Fall ist, die häusliche Vcr« fahrungsart mit dem Eintritt in die Schule sich nicht andert; wenn die meisten bösen Neigungen und Gewohnheiten immer fort unterhalten, genährt, verstärkt oder gar mit neuen vermehrt werden: was vermag alsdann die Schule mit ihren Lehren, Geboten und Verboten, über deren Erfüllung sie nicht wachen kann, und die gegen die