Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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76 tadeln pflegte; ich meine: die Oberflächlichkeit. In keiner Kenntniß läßt sich diese so leicht verbergen, als in Sprachen, und daher giebt es so viele schlechtt Sprachlehrer. Für den Gelehrten, für den Literaturfreund ist es aller, dings nützlich und angenehm, mehrere Sprachen jti vcrsichen; ihm sind sie bloß Mittel, die in densi!'>en verhör« genen Schatze kenne» zu lernen und zu bei 'tzen. Wer aber eine Sprache um ihrer selbst wi: ׳!! lerne. sollte sich nicht mir so oberflächlicher Kenntniß begnüge!.; der unbe« deutende Gewinn, den die Eitelkeit drc,,!s sieht, sollte den vernünftigen Mann in seinem Urtheil na(), irr« leiten, und ״gründlich oder gar nicht" sollte auch hierin sein Wahlspruch ftyn. Es wird der Jugend so nianchcs gelehrt, wovon im Leben kein Gebrauch gcn:acht und welches daher der Vergessenheil überliefert wird. Dahin gehört auch der Unterricht in einer fremden Sprache, wenn cs der Schüler nicht bis zu der Stufe gebracht hat, daß er den Eeistesprodukten der Nation Geschmack abgcwonncu und durch diesel» ben zur weitern Fortsetzung seines Studiums augcfeuert wird. Hat er es nicht bis dahin gebracht, beschränkt sich sein Wissen auf die Formenlehre, und seine Lektüre auf ei« nige Anekdoten, Dialogucs und dergleichen gehaltloses Zeug, wie bald wird er, dem Zwange entbunden, das langweilige Geschäft bei Seite legen, und die Forme», Wörter und Gespräche, die seinem Gedächtniß mit so vie« lem Zwange aufgedrungen worben, in dem Strome der Vergessenheit dahin fahren lassen.