Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Bemerkungen über die gewöhnlichen Ansichten bei der Beurtheilung öffentlicher Schulen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
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51 als lesen. Wahrend dieser Zeit hat es sich gewöhnt, einen Wortschwall gedankenlos berzustigcn, ohne einen Begriff damit zu verbinden; sein Gedachtniß, gleich der Büchersawmlnng eines unwissenden Prahlers, ist mit einem Schatze angefüllt, der dem Besitzer zu weiter nichts dienen kann, als zuweilen seine Unwissenheit desto deutlicher an den Tag zu legen. Daher kommt cs denn, baß Eltern sich zuweilen über die langsamen Fortschritte eines Kindes beklagen, mir dem die Lehrer am zufriedensten sind, und mit vollem Rechte die besten Erwartungen von ihm hegen. Die Kla« gen der Eltern gründen sich darauf, daß ihr Kind noch nicht lesen gelernt hat, woran die Beschaffenheit der Or« gane, des Zeichengcdächtnisses, das größere oder mindere Wohlgefallen an diesem etwas trockenen Unterrichte und andere Zufälligkeiten schuld seyn können; die Zufriedenheit der Lehrer mit demselben Kinde beruht aber auf der merkbaren Entwickelung des äußern und inner» Sinnes, auf der Klarheit der Begriffe, Bestimmtheit des Ausdrucks, Lust zu jedem geisierweckenden Unterrichte und Anlage zum Eetbstdenken. Diese Eigenschaften halten sie für schatzbarer, als eine mechanisch erlangte Fertigkeit im Aussprechen konventioneller Zeichen, deren Sinn in den meisten Bü« chern die Fassungskraft des sechsjährigen Kindes übersteigt; ja die Erfahrung sagt ihnen, daß oft gerade die beschranktesten, zum Sclbstdenkcit am wenigsten gecigneten Köpfe die größte Aufmerksamkeit bei diesem Unterrichte beweisen und stundenlang in Büchern lesen, von denen sie kein Wort verstehen. Aber muß denn das K:nd nicht le- D o