Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Curiosa
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 4)
- Language
- German
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349 Alles hängt bei den Menschen hierin von den mehr oder minder richtigen Ansichten ab; aber alles ist auch dem ewigen/ unaufhaltbaren Wechsel der Zeit unterworfen/ durch welchen nicht selten vieles Nützliche an den Tag ge. fördert wird. Ideen werden dadurch berichtigt und dach was uns einst wichtig und heilsam erschien / stellt sich oft unfern Blicken nach einiger Zeit in einer ganz andern minder wichtigen Gestalt dar. Das erwähnte Eifern hat in unfern Tagen feinen Werth verloren, und keine Klage über das Tragen der Zopfe tönt mehr von den Lehrstühlen der Volkslehrer her« ab. Doch jedem das Seinige! Zur Ehre der Israelisschen Geistlichen sey es gesagt / die ehrwürdigen Perücken ließen sie doch jederzeit in Ruhe. Von den christlichen Geistlichen kann man dieses jedoch im Allgemeinen nicht behaupten. Mit einer nicht geringen Hitze erhoben sie viel« mehr einst gegen die so unschuldigen Perücken / bei deren Entstehung einen sehr harten Krieg. Sie behaupteten nämlich, daß sie das Ebenbild Gottes verunstalteten und daß in dem heiligen Worte diese neue Kopfzierde langst verbannt sey. Jeder/ der eine Perücke trug/ wurde also von der Kirche ausgeschlossen *). Wir glauben zwar sehr gern, daß es beide geistlichen Partheien dessen ungeachtet recht gut gemeint haben mö» gen; doch hätten sie wohl billig bedenken sollen / daß der Maaßstab des Religiösen nicht das Aeußcre/ Außerwescntlichr ist/ und daß Gott nur aufs Herz sieht! *) M. s. Walch'S historische Einleitung in die Restgivnestreikigkeiten. tl 824 f-