Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Herzogthum Anhalt-Deßau [Nachricht]
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 5)
- Language
- German
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י>33 Bevor ich mich mit der Erläuterung dieser heiligen Worte einlasse, vergönnen Sie mir eine kleine Allegorie voran zu schicken: Als der Schöpfer der Natur den Menschen gemacht und ihm seine Bestimmung angewiesen, mit Dornen und Disteln —nicht nur mit solchen, welche auf dem physischeu sondern auch mit solchen, welche auf dem moralischen Boden entkeimen — lebenslang zu kämpfen: da weinten die Bewohner des Himmels und beklagten den Sohn des Staubes. Der Vater des Menschengeschlechtes aber sprach zu einer seiner Dienerinnen, zur Gespielin der Weis« heit, zur Freu de: wenn mein vorzüglichstes Geschöpf von Arbeiten gedrückt und von Sorgen und Kummer verzehrt zu werden bedrohet wird: so nimm du dasselbe in deine Arme und verleihe ihm neue Kraft. Die Freude blickte den Menschen mit forschendem Auge an und seufzte — das erstemal, daß ihr ein solcher Laut entfuhr—zum erstenma« le wurde sie traurig—da erschien im himmlischen Glanze die ersigeborne Tochter der Gottheit, die Religion, berührte sanft den Sohn des Staubes, und beide — sie und die Freude-sahen ihn lächelnd an nnd zeigten ihm die Pforten des Himmels — Ich bin schon wieder bei unscrm Texte: Salomo, der nicht umsonst den Namen des Weisesten unter den Morgenländern führte, der seine Weisheit nicht aus dem versiegenden Quell todter Bücher und Schriften, sondern aus dem umnerfließenden Born des lebendigen Lebens und des Umganges schöpfte, dachte lange über die Bestimmung