Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 21)
- Language
- German
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320 cheleien bestürmt werden und fie leichtgläubig genug seyn, den Betheurungen, die ihr gemacht werden, zu glaub, n. Die eurem Gcschlechte natürliche Schüchternheit wird sie zwar anfänglich in einiger Entfernung halten: aber man wird es jenerseits an Beeiferungen nicht fehlen lassen, sie heraus zu spötteln und ihr begreiflich zu machen suchen, daß das unmodische, bäuerische Blödigkeit sey. Ist sie einmal von ihren Personen eingenommen, so wird sie sich in ihrer Gesellschaft bald gefallen und einen muntern und lebhaften Ton in ihrem Betragen annehmcn, und dieß wird eine Auffoderung für jene seyn, sich immer mehr Frei« heilen gegen sie zu erlauben. Dieß ist ein Nachtheil, der aus der verderblichen Sucht, sich an öffentlichen Orten sehr umher zu treiben, gewöhnlich entsteht. Ihr werdet der unverschämte» Zudringlichkeit lüderlichcr Männer aus׳ gesetzt seyn, deren Ihr euch vielleicht an jedem andern Or« tc schämen würdet, wenn euch eure Ehre und guter Na« mc lieb ist. Würde euch nun aber dieß für eine große Un« Vorsichtigkeit angerechnct werden, wenn Ihr an dem einen Orte in ihrer Gesellschaft erschienet, sollte cs an einem an« dern Orte dieselbe wohl weniger seyn? Auch würde es kei« ne Entschuldigung für euch seyn, daß an öffentlichen Plä« tzen kein Unterschied statt finde, und daß der Tugendhafte und der Böse oft bei einander gesehen würden, ohne daß es dem erster» zum Vorwurfe gereichte. Doch hier müßt Ihr wissen, daß» ob Ihr gleich bei eurer Jugend und wenigen Erfahrung nicht möchtet iin Stande seyn, den rechtschaffenen Mann von dem Wüstlinge und Bösewichtt zu nntcrschcidcn, die Welt doch ihre beiderseitigen Grund, sätze immer ganz gut kennet. Und — solltet Ihr oft in der