Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 20)
- Language
- German
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m Das wahre Verdienst entdeckt stch ohne prahlerisches Ge« prange, und wird von denen, die Verstand genug haben, es zu unterscheiden, nie leicht übersehen werden. Die Kandidaten der Bewunderung hingegen setzen sich den Nachstellungcn eigennütziger, oder lüderlicher Bursche leicht aus. Nein, suchet euch Hochachtung, nicht Bewunder u n g zu erwerben — Hochachtung bei den wenigen Ver« ständigen um eures guten Verstandes und bescheidener Aufführung willen, und verachtet den flüchtigen Beifall der vielen Unbedeutenden wegen eurer persönlichen Reize. Viele junge Frauenzimmer treten in die Welt mit einer Vorstellung, die oft ihrer künftigen Ruhe und Glück« seligkeu höchst nachtheilig ist. Sie glauben, der erste Eegenstand ihrer Bemühungen müsse seyn, Eroberungen zu machen. Dieser Absicht zu Folge putzen sie sich und zeigen sich beständig bei Besuchen und an öffentlichen Orten, oh« ne zu überlegen, daß diese, die sie hier finden, größtentheils weder Männer von der strengsten Ehre, noch dem ordentlichsten Leben sind, sondern meistens Wollüstlinge, deren ganze Absicht dahin geht, durch ihr äußerlich gutes Ansehen jungen Mädchen zu gefallen. Jedes neue Gesicht zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich; und halten sie cs derselben für werth, so wird es überall ausgesucht. Ueberschreitet ein jlrnges Frauenziinmer durch die öftern Erscheinungen, und zwar ohne eine kluge Freundin, oder Führe-- rin, die Gränzen der Vorsicht und weiblichen Wachsamkeit, so kann sie die Gesellschaft solcher Personen nicht vermeiden, deren Figur, Anzug und feine Lebensart vielleicht für sich einnehmen. Ihre Eitelkeit wird bald durch Schmei-