Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 19)
- Language
- German
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318 bewundern und bewundert zu werden. Die Gegenstände eurer Bewunderung sind verschieden: Haupt« sachlich aber werden es heitere, glänzende, feyerliche und fröhliche seyn. Die Platze alsowo sich die Augen weiden und die zu Ergötzlichkeiten bestimmt sind, wo beide Ge« schlechter sich versammelnwerden euch wahrscheinlich die angcnehinsten seyn. Bald werdet Ihr auch daselbst von gewissen Leuten und der Unterhaltung junger Mannsperfo« nen angezogcn werden, weil diese frühen Verbindungen oft ohne Nachdenken und Klugheit — und oft, ehe Ihr im Stande seyd, den Verdienstvollen von dem Unwürdigen zu unterscheiden, gemacht werden. Bewundert zu werden scheint in der That das besondere Vorrecht eures Geschlechts zu seyn. Wird dieses aber nicht wohl verstanden, so kann es zu sehr falschcn Tritten verleiten; denn wenn ihr bloß eurer Schön« heit wegen bewundert seyn wollt: so werdet Ihr auf nichtsals auf den Auspntz eurer Person denken; und ob dieser gleich auf einige Zeit anziehen kann, so werden eure Sit« ten, von Eitelkeit, oder Ziererei gefärbt, doch Nicht lange gefallen. Vielleicht daß euch einige junge Thoren und Tandler Weihrauch anzünden, oder auch solche, die selbst keine Verdienste haben, und also die anderer eben so schlecht bcurtheilen: aber von solchen, die tugendhafter Empfin« düngen, oder einer wahren Freundschaft fähig sind, wer« det Ihr gewiß nicht geschätzt werden. Ueberdieß, wenn Ihr es zu eurem Hauptgeschäfte macht, Bewunderung zu erregen, so werdet ihr nicht nur eures Zwecks verfehlen, sondern euch selbst in eurer Rechnung sehr hinttrgehn.