Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 15)
- Language
- German
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?14 Da Ihr nm aber seht, daß die Gesetze der Mode so willkührlich und so allgemein sind» so würdet Ihr frei«!ich dem Tadel, als Sonderlinge, nicht entgehen können, wenn Ihr gar keine Rücksicht darauf nehmen wollt?'.: Ihr müßt euch also darein fügen, in so fern eure art, euer Vermögen, euer Stand, oder eure Gesundheit zulasten. Gierig sede neue Mode, so bald sie erscheint, zu erhaschen, und ihr durch alle ihre lächerlichen Verände. rungen und Uebertreibungen zn folgen, würde nicht nur rin Zeichen eines leichtsinnigen und ausschweifenden, sondcrn auch eines kindischen , tändelnden Charakters seyn, der sich׳ Mit so nichts bedeutenden Dingen beschäftigen kann. Diejenige Mode, die die natürlichen Reize eurer Person erhebt, und zu gleicher Zeit von der größten De. scheidcnheit zeugt, verdient vor allen den Vorzug. Junge Frauenzimmer pflegen nicht leicht gegen ihren Anzug gleich-- gültig zu seyn: und doch vernachlaßigen sie sich oft, wenn sie in einen andern Stand übergegangen sind. Allein nie ist eine bescheidene Aufmerksamkeit nöthigcr, als in dem« selben; denn eines Ehegatten Liebe sich zu erhalten, muß ihnen ja eben so wichtig seyn, als sich um dieselbe zu be« werben, und was für ein schlechtes Kompliment würde bas für einen Mann seyn? Die Simplicitat des Anzugs ist allezeit ein Lieblings« gegenständ der Empfehlung bei den Dichtern gewesen. In der reizenden Episode des Thomson in seinem Gedichte auf den Herbst beschreibt er Lavinien als sehr schon, ober ganz einfach gekleidet.