Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 11)
- Language
- German
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310 schlumpichttn Anzüge des Morgens, mit einer glanzenden Auskramung von Pracht des Abends weit vorzuziehen. Und hier muß ich euch vor allen Dingen die Reinlichkeit empfehlen, nicht nur, weil sie an sich angenehm ist, sondern auch jede Person, wes Standes und Vermögens sie ist, dazu gelangen kann. Reinlichkeit giebt auch der geringsten Kleidung Grazie: ohne sie eckelt uns aber auch der größte Putz an. Sauber und geputzt seyn ist nicht ei« nerlei. Es giebt im Anzüge, so wie in Künsten, einen Ge« schmack; und dieser, er habe zum Gegenstände, was er wolle, gründet sich auf gewisse allgemeine Grundsätze, von der jede Abweichung den kritischen Beobachter beleidiget. Diese Sauberkeit, die ich euch jetzt empfehle, hat wichtigere Folgen, als Ihr vielleicht glaubt. Wie sehr wünschte ich euch recht davon zu überzeugen, damit Ihr nicht eine Grazie vernachläßigen möchtet, die eurem Alter und Geschlrchte so unentbehrlich ist. Und verschmäht Ihr sie jetzt, so werdet Ihr sie schwerlich jemals wieder sin« de». Wenn Ihr hingegen in eurer Jugend immer nett und reinlich in eurer Person und in eurem Anzüge erscheint, so wird man euch niemals anders finden. Früh eingepflanzte Gewohnheiten können nicht leicht ausgcrottet werden. Sie gehen eben so gut den Körper als die Seele an. Gewöhnt Ihr euch in eurer Jugend schmutzig, so wird euch dieß auch im Fortgange eurer Jahre immer anhängcn, und ich wüßte kaum, was den weiblichen Charakter mehr verunzieren könnte, als rin Mangel