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Sulamith · 1811-01-01 · 1 Bd. 5 H. (1811) · p. Seite 309

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Dritter Jahrgang 1810-1811
Issue
1 Bd. 5 H. (1811)
Article
Einige Worte an junge Frauenzimmer
Date
1811-01-01
Page
Seite 309 (sequence 10)
Language
German
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Kleidung unterscheidet sich der gesittete Mensch von dem Wilden: und jemehr sich ein Volk verfeinert, desto mehr äußert sich der größere Geschmack in seinem Anzüge. Es giebt aber eine gewisse Linie, die, wenn wir sie überschreit len, den Anzug weniger zu einer gefälligen Bedeckung, als zu einer wahren Beschwerde macht. Wenn der Körper zu verschwenderisch geschmückt wird, so ist er nicht nur lästig, sondern verunstaltet selbst die Person, die er zieren soll. Sehr selten findet man eine geschmackvolle Leichtigkeit unter einer Last von glänzend geschmückten Kleidern. Das andere Geschlecht ist oft so wenig Richter ihrer eigene» persönlichen Vorzüge, oder Mängel, daß es sehr oft die schicklichsten Mittel verfehlt, die erster« ins Licht zu setzen, oder die letztem zu verheelen, so daß, durch eine übel angebrachte Verfeinerung, eine ganz-verschiedene Wirkung von der beabsichtigten herauskommt. Die Natur verlangt durchaus nicht solche ausstudirte Verzierungen. Schönheit und Unschuld gefallen selbst in einem bäuerischen, aber anständi» gen Gewände mehr, als eine Gestalt, so artig sie auch seyn mag, unter erborgten Federn» womit sie sich auf ei. ne lächerliche Art ausschmückt. Wo wir eine gewisse edle Einfalt im Anzuge gewahr werden, da finden wir immer eine gleiche, unveränderliche Nettigkeit. Bei denen aber, die ihre Personen mit einer mehr, als gewöhnlichen, ängst» lichen Sorgfalt ausschmücken, hat man sehr oft schon bemerkt, daß sie zu anderer Zeit, wenn sie nicht vor den Augen der Welt erscheinen, so nachläßig in ihrem Anzüge umher gehen, daß er ins Schmutzige und Eckelhafte fällt. Eine einförmige geschmackvolle Reinlichkeit ist gewiß einem

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