Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 9)
- Language
- German
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308 Euer Geschlecht hat einen unbezweifelten Anspruch a\i$ jede Verschönerung, den der Putz geben kann, wenn er in denEränzen der Mäßigung bleibt. Die natürlichen Schön« Heiken eurer Person durch einen reizenden Anzug zu heben, ist ein Vorrecht, das euch gebührt. Wenn Ihr aber die« scn Zweck aus dem Gesichte verliert, wenn Ihr eurer Ei« relkeit dadurch ein Opfer bringen, oder Eroberungen ma« chcn, oder euren Reichthum an mancherlei Kostbarkeiten zeigen wolltet; so wird das, was vorher unschuldig war, nicht nur lächerlich, sondern auch strafbar. Ein bescheidener Anzug ist immer als ein Schild der Tugend angesehen worden. Er verräth eine keusche und feine Seele — einen guten Verstand und eine richtige De« urcheilungskraft. ״Laßt die Weiber sich selbst mit Keuschheit schmücken." Das Weib, das viele Stunden vor dem Putztischt zubringen kann, behält nothmendig weniger Zeit für die wichtigern Pflichten des Lebens übrig, sie mögen nun die Gottheit, oder die verschiedenen Verhältnisse, in denen sie mit andern sichen, oder ihre eigne Ausbildung betreffen. Wenn w>r die Kürze des menschlichen Lebens bedenken, sollte es wohl die Vernunft billigen können, daß wir den größten Theil des Tages auf die Verzierung unserer Per« sonen wendeten l Glaubt indessen nicht, wenn ich eine zu große Anhäng« lichkeit und Liebe für den Putz radle, daß ich euch rathen würde, »kn zu vernachlaßigeu. Keinesweges. Durch die