Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jo 6 haftere Eigenschaften fesseln. Jene, ob sie gleich im Der« falle ist, erwartet vielleicht dieselbe Schmeichelei und Auf« merksamkeir, wie vorhin. Eie glaubt, ihre Reize sind im« mcr noch dieselben; aber die Vernachlaßigung der Welt überzeugt sie bald vom Gegenthrile. Und wie lächerlich wird man dann erst durch «ine falsche Einbildung, die im« wer mit Ziererei begleitet t|t: — Im Alter aber lächerlich zu werden—welche Demüthigung! Nicht so die Person, die zu der äußern Schönheit auch die Schönheiten der Seele hinzuthut. Weisheit in ei« nem schönen Körper ist der größten Verehrung werth. We« der der Wollüstling, noch der Tändler werden sich ihr zu nähern wagen. Keine verbietenden Mienen wer« den diejenigen, die für Freundschaft und Geselligkeit ge« macht sind, von ihrer Gesellschaft zurück halten. Schön« Heck mit Verstand und Tugend geschmückt, muß uns Lie« de und Hochachtung gebieten. Ein denkender Geist wird dem Auge einen doppelten Glanz verleihen. Ein Herz, das von rdelmüthigen Empfindungen schlägt, wird eine mehr, als gewöhnliche Lieblichkeit über alle Gesichtszüge verbreiten: wo man aber grobem Leidenschaften die Oberherrschaft ge« lassen, da wird man bald den Ausdruck in dem Gesichte wahrnehmen, und sie werden das entstellen, was die Na« tur so schön gemacht hatte. Es wäre zu wünschen, daß euer Geschlecht die Kunst zu behalten eben so fleißig studiren möchte, als die Kunst zu gewinnen; denn alsdann, wenn die Schönheit vergeht, würden die Reize des Geistes und des Herzens immer noch