Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 3)
- Language
- German
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ßalt, das erfodert schon mehr Thatigkeit, und setzt einen durch Gedanken und Empfindung beseelten Geist voraus. Die Eindrücke der erster» werden von kurzer Dauer seyn, der Einfluß der andern aber so bleibend, als das Leben selbst. Und wenn die erstern vernachläßiget, oder verwelkt sind, werden die letzten immer noch Gegenstände der Hochachtung bleiben. Das Verlangen nach Beifall ist beiden Geschlechtern gemein: der Weg aber, den die Männer einschlagcn, ist dem Frauenzimmer verschlossen. Diese müssen also einen andern aufsuchen — sic müssen durch die äußere Liebens- Würdigkeit ihrer Personen, durch eine heitere, fröhliche Ge« müthsarc, durch einen züchtigen und lebhaften Umgang und durch ein sanftes, geschmeidiges Betragen dahin zu gelangen suchen. Ungeachtet sich aber alle diese Dinge vereinigen müssen., so scheint doch der allgemeine Wunsch dieses Geschlechts zu seyn, bloß einander an Schönheit zu übercreffen. Diese Neigung ward von den alten Mythologen durch d!e wohl bekannte Geschichte von dem Kampfe der drei Göttinnen, der Juno, Minerva und der Venus um den Preis, erläutert, den diejenige erhalten sollte, welche Paris für die schönste erklären würde: daß also Macht und Weisheit, deren Sinnbild Juno und Minerva waren, der Schönheit die Palme selbst streitig machten, von der die Venus das allegorische Bild ist. Allein das weibliche Geschöpf, das keine andere Einpfthlung, als ein schönes Gesicht, oder eine reizende Gestalt vor sich hat. wird sich am Ende selbst sehr getäuscht