Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 22)
- Language
- German
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394 Strom bald in das weite Weltmeer bringen wird, wo sie von dem Strudel der Unmäßigkeit können ergriffen wer« den, oder an den Klippen der Wollust Schiffbruch leiden, wofern sie nicht die Klugheit;u ihrem Steuermanne haben. Dieser erfahrne Wegweiser wird aber nur zu oft seiner Dienste entlassen. Cie halten sich schon für geschickt ge« nug, ihre eigene Fahrt zu leiten und ihren Lauf nach >h« ren Absichten zu richten. Da sie bloß nach der äußern Gestalt urtheilen, so setzen sie voraus, daß Alles so ist, wie es scheint, und daß, wo Heiterkeit und Schimmer auch keine Dunkelheit sei)» könne. Die Jugend sieht bei ihrem ersten Eintritte ins Leben eine Menge von lockenden Annehmlichkeiten vor sich. Ihre eigenen Begierden, mit den Beispielen und Auffederun« gen anderer, alles tragt das Seinige bei, sie zum Dienste der Wollust einzuladen, deren unglückliche Zaubereien die Alten unter verschiedenen Bildern und Fabeln vorgestellt haben, worunter die von Syrenen die bekannteste ist. Sie soll uns zeigen, daß wir uns gar zu leicht durch die Rei« zungen eines wonnevollen Lebens anlockcn lassen, welches sich aber mit dem Verderben und einem gewissen Unter, gange endiget, da weise Menschen, wie Ulysses, ihre Ohre» vor ihren Zaubersiimmen verstopfen. Wenn junge Personen das Vergnügen zu hitzig ver». folgen, zu sehr darnach außer ihrem Hause jagen, so vcrräth es entweder einen verderbten Geschmack, oder einen unangebauten Geist: sie wissen nicht, was sic daheim mit sich selbst anfangcn, oder wir sie sich beschäftigen sol-