Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 18)
- Language
- German
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390 Noch möchte ich eine andere Quelle geistiges Vcrgnügeus hinzuthun, welches das Gewissen ist. Dieß ist ein anderweitiger Wegweiser und Erinnerer. Er leitet uns nicht nur auf den gegetnvärtigen Augenblick, sondern läßt uns auch in die Vergangenheit blicken. Kein Mensch übe» läßt sich leicht auf einmal lasterhaften Vergnügungen. Ob ihn gleich die Leidenschaft fortstößt, so erinnert ihn doch die Vernunft und das Gewissen beunruhiget ihn. Das Vergnügen ist aber oft gegen die Erinnerungen der «rstern und die Warnungen des letztern zu mächtig: doch wird eine Zeit knnmen, wo das Gewissen gehört wird, wenn es auch durch die beständige Wiederholung rau« schender Ergötzlichkeiten übertäubt ward. Und wenn in den stillen Augenblicken des Nachdenkens der Beleidiger erwacht, so wird der Stachel des Selbstvorwurfs gewiß scharf und empfindlich seyn. Wohl aber denen, die in Ansehung ihrer vorigen Handlungen nichts von diesem un« parthciischcn Richter zu fürchten haben! Es erhellet also aus dem, was gesagt worden, daß die menschlichen Vergnügungen aus zweierlei Quellen ent« springen: die geringere, welche die Sinnen zum Gegen« stände hat, sollte der hohem, die sich auf die Vernunft gründet, untergeordnet seyn. Wenn jede in ihren ange« wicsencn Grunzen bleibt, so können wir der Freuden ge« nießcn, die gesetzmäßig und erlaubt sind und vollkommen mit unserer zusammengesetzten Natur übereinstimmen. Wenn wir, wie die Wollüstlinge, unsere ganze Zeit und Auf« merksamkeit, auf die Befriedigung der sinnlichen Lüste wen« den, so werden wir nothwendig die Kräfte der Seele schwa«