Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 17)
- Language
- German
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339 seyn könnte. Der Mensch aber ist ein Wesen, das nicht nothwendig handelt, sondern nach der Bestimmung seines eigenen Willens; er ist also dießfalls verantwortlich. Er hat eine Vernunft, die ihn in der Wahl der Dinge leitet, welche ihm angenehm find, und in der Verweigerung de-- rer, die es nicht find. Wenn er auf die Warnungen der Vernunft nicht Hort und thut was unrecht ist, so ent« ehrt er die Würde des menschlichen Geistes und er fühlt in sich einen moralischen Sinn, der seine Handlungen verdammt. Richtet er aber seine Begierden nach diesem inner» Gefühle des Rechts oder Unrechts, das ihm ein Leben der Vernunft ju leben, und den menschlichen und göttlichen Gesetzen zu gehorchen gebeut, die seine eigene Glückseligkeit und die Ruhe der bürgerlichen Gesellschaft zur Absicht haben; so wird er den Beifall seines eigenen Gewissens haben, zugleich aber die Zufriedenheit erfahren, die aus gesetzmäßigen und erlaubten Vergnügungen ent« springt. Doch das Amt der Vernunft ist nicht allein auf dir Berichtigung der Leidenschaften und Neigungen eingeschränkt: es öffnet auch andere Quellen des Vergnügens, die nur diese genießen können, die ihre Geisteskräfte auszubilden gesucht haben. Eine verfeinerte Einbildungskraft und ein angebautcr Verstand entdecken mannigfaltige Gegenstände» an denen sich ihre verschiedenen Fähigkeiten üben können. Die ganze Welt liegt vor ihnen, wo sie mit einer uner« Mißlichen Anzahl von Dingen ihren Geschmack, ihr Nachdenken, oder ihre Erfindungskraft beschäftigen können-