Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 16)
- Language
- German
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38S gcn Jtt bekommen und in eine gesellige Verbindung mit an« dern von gleichem Alter zu treten. Ihre Begierden wer« den herrschender und nehmen sich in allen ihren Handlun« gen eine gewisse Obergewalt heraus, die sich doch Haupt« sachlich auf sie allein beziehen. Hieraus entsteht die Lei« denschaft der Selbstliebe, die sich größrencheils zu der Be« friedigung wollüstiger Vergnügungen hinneigt, deren Ge« nuß sie eifrigst suchen. Sie fühlen nun unter der Ein« schränkung eine Ungeduld und ein heißes Bestreben die Fes« sein zu zerbrechen, um neue Gegenstände des Vergnügens aufzusuchen. Ihre Leidenschaften sind schnell und verän« derlich und was sich unter der Maske des Vergnügens darbeut, reißt ihre Aufmerksamkeit unmittelbar auf sich. Die Leidenschaften richtig geleitet, sind zur Glückst« ligkeit des menschlichen Lebens nöthig. So bald sie aber eine falsche Richtung bekommen, oder zügellos werden, so erzeugen sie mehr Schmerz, als Freude. Eie sind die Quellen eines lasterhaften, oder tugendhaften Genusses. Wie kommen wir nun dem erster» zuvor, wie befördern wir die letztern? Dieß wird sich zeigrn, wenn wir das andere Princip der menschlichen Natur, welches der vernünf« tige, oder geistige Lheil ist, zur Betrachtung vornehmen. Die Vernunft in dem Menschen ist dasselbe, was der Instinkt bei Thicren ist, nur mit folgendem Unterschiede. Die letztern handeln nach einem gewissen Gesetze, das ih« rer Natur vom Schöpfer der Welt eingcpfianzt ist. Von diesem Gesetze abzuwcichen, steht nicht in ihrer Gewalt; mithin ist nichts in ihren Handlungen, das unmoralisch