Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2304627-2304628-2304630-10858306-2305679--03257-2306097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
י-"י 386 Ergießungen einer, von den falschen Begriffen einer Gottheit in Furcht gescheuchten Seele, die doch nicht ein Wesen ist, das sich des Elends, sondern der Glückseligkeit seiner Geschöpfe freutt. Die Qualen und Büßungen, die die Religiösen einiger fernen Länder sich selbst willkührlich auflegen, haben bei den aufgeklärten Völkern ihr ganzes Verdienst verloren; und wir sind überzeugt, daß die menschlichen Pstichten von einer thätigcn und geselligen Art sind, und bloß die Folge, oder Wirkung in den mehr geschäfti« gen Scenen des Lebens seyn sollen. Denn, ob wir ihnen gleich den vernünftigen Genuß dieser Dinge einräumen, den die Vorsehung ungezweifelt zu ihrem Gebrauche gab, so ist doch Kummer und Unruhe genug übrig geblieben. Der blinde Tadel des Schwärmers läßt sich eben so wenig vertheidigen, als die Büßungen des Abc>-gläubischen. Denn, wenn weder Vernunft, noch Religion die Freuden der Sinne verdammt, so folgt, daß sie weder sündlich, noch strafbar sind, sondern cs bloß durch unmäßigen Genutz werden: oder wo man sie zu Werkzeugen macht, den Geist herabzuwürdigen und die Sittlichkeit zu verderben. Hier kann die Sclbstverläugnung nöchig werden und die Verdammung des andern anwendbar. Ich mache also einen Unterschied unter wahren und falsche» Vergnügungen. Vor allen Dingen aber will ich euch von den Quellen unterrichten, woraus sie hergcleittt werden müssen. Der Mensch ist ein Wesen von zusammengesetzter Natur, theils geistig, theils thierisch, und so wie die Ligen-