Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 13)
- Language
- German
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gen vor ihnen verschließen—nicht auf den melodis-hen Gefang der Vögel hören, noch die wohlriechenden Düfte gewürzreicher Krauter emathmen? Ist der Mensch mit so herrlichen Kräften versehm, durch die er im Stande ist, aus seiner eigenen Seele, und seinen Neigungen einen deständigen Vorrath von Ergötz!ichkeiten herauszuziehen, de« ren Genuß für ihn sündlich wäre? Wahrlich so waren uns alle diese Gottesgaben und Geschenke umsonst verliehen! Wozu denn aber sonst? Denn, ist es das Loos der Menschheit, die ganze Zeit seiner Pilgrimscl)aft in Kum« wer und Elend zu verleben, so würde die Absicht seines Schöpfers besser seyn erreicht worden, wenn er diese Welt, statt ihrer gegenwärtigen Erscheinung zu einer schreckliche» Wildniß gemacht hätte, wo ihm nicht ein Strahl des Trostes seine finstern Pfade erleuchtete und jeder Gegen« stand einen Anblick des Schreckens und der Zerstörung trüge. Dieß könnte die Spracht des Aberglaubens seyn, aber so spricht nicht die Vernunft und Religion. Die er« sterr ladet uns ein, an den Segnungen der Natur Theil zu nehmen: die letztere versichert uns, daß alle ihre Wege liebliche und frirdv olle Wege sind^ Kann aber die Freude in einem Stande einer strengen Büßung statt finden? — Wenn der Mensch nicht zu einem geselligen Le« den bestimmt ist, warum ward ihm die Gabe der Spracht mitaetheilt? Die Höhlen der Felsen und Berge und rin« samen Zellen der Einsiedler würden alsdann seine schicklichlichsten Wohnungen seyn. Allein die Vernunft behauptet nun ihre Rechte und verwirft diese traurigen Lehren, als