Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 11)
- Language
- German
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383 fett, so wenig sie sich auch mit den Sitten der heutigen Welt vertragt, so behaupte ich doch immer, daß die öftrre Erscheinung an öffentlichen Versammlungspiatzen, wo sie sich ohne Unterschied mit der Gesellschaft vermischen und mit einer uneingeschränkten Freiheit unterhalten, dem weiblichen Charakter nicht anständig scy. So wie der glänzendste Edelstein bald feinen Schimmer verliert; so kann der weibliche gute Ruf leicht verdunkelt werden, und wenn iS auch nur durch den Odem der Verläuindung ge« schätze. Auch den Schein des Uebels muß man zu vermeiden suche«; denn ob gleich eurcGrsinnun« gen und Absichten noch so rein und unschuldig waren, so pflegt doch die Welt, die bloß nach dem Aeußern urtheilct und sehr selten geneigt ist, das Beste von andern zu reden, gar zu gern nachtheilige Anmerkungen zu machen, so un« gegründet sic auch seyn können. Das Bewußcseyn der Unschuld rechtfertiget nicht genug die Vernachläßiguug ei» ner vorsichtigen Zurückhaltung, die eurem Geschlcchte, bcsonders beim ersten Eintritte in die Welt so nothwendig ist; denn so viel Achtung ist man ihr auch schuldig, daß man ihrem Tadel ausznweichen sucht. Gleichgültigkeit da« gegen ist eine Verachtung, die kerne Entschuldigung ver« dient. Es giebt auch einen lobenswürdigen und heilsamen Stolz: dieser ist es, der euch einen solchen Grad von Eelbstwichtigkeit giebt, welche von dem andern Geschlechte die ehrerbietige Achtung erwartet» die man dem eurigen schuldig ist.