Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304628-2304630-10858306-2305679--03251-2306091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Warnungen das vorher geschilderte Mißgeschicke erzeugen sollte, wie verändert sich dann die SceneSie, die ihres Vaters Zierde war, wird jetzt seine Kränkung: und ihre Gegenwart, die vorher Entzücken erregte, dient jetzt bloß, pcinvolle Gedanken zu veranlassen und ihren Abfall von der Tugend in Erinnerung zu bringen. Ein falscher Schritt also bei eurem Geschlechte schrankt sich nicht allein auf die Schande der Berbrecherin ein, sondern verbreitet sich auch auf die, die durch die zärtlichsten Fesseln der Liebe an sie ge« Hunden sind. Wenigstens so unschuldig — so frei sie von dem Vorwürfe der Vernachläßigung, des Übeln RathS und schlechten Beispiels seyn mögen, so leiden sie doch zugleich und scheinen ihre Schande zu theilen. Wahrlich eine Betrachtung, die euch wohl bewegen sollte, mit der groß« ten Behutsamkeit und Wachsamkeit eure ersten Schritte in die Welt zu thun! Aus dem, was bisher gesagt worden, schließe ich, daß die Bescheidenheit eine weibliche Tugend und eurem Geschlechte so eigenthümlich, als der Muth den Männern sey. Die Natur selbst gubt bei irgend einem unschickli« chen Betragen, oder unanständigen Worte ihr Lärmzeichen. Eie verbreitet über das Gesicht eine unwillkührliche Röche und gicbt dadurch stillschweigend dem kühnen Ucbertreter einen Beweis. Diejenige aber, die diese bescheidene Scham« Hastigkeit — diese natürliche Schutzwehr ihres Geschlechts zu verbergen sucht-bezeigt über die Beleidigung kein Miß« fallen, sondern reizt vielmehr den Verbrecher. Die Schamröthe ist eine weibliche Grazie; und ob sie gleich die Mode- Welt für das Kennzeichen der Einfalt und einer kleinstadt!--