Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Biographie des Herrn Lucius Liffmann, der Heilkunde Doktor
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2304627-2304628-2304630-10858306-2305675--03192-2306037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 gessen jltgefügter Beleidigungen, fein kindlicher Sinn für die einfachen Freuden der Natur und der Wissenschaften, seine warme Innigkeit in der Mittheilung, dies alles zog mich magnetisch an, sein« tiefen Einsichten im Gebiet der Heilkunde und der Philosophie erfüllten mich mit Hochach« tung und — wir wurden Freunde. Seit dieser Zeit verlebten wir miteinander manches Stündchen, in stiller Frohlieh« keit, in lehrreicher Unterhaltung hingebracht. Ich will es versuchen, mit leichten Pinselstrichen, die freilich die Hand des Jüngers in der Kunst verrarhen werden, sein Konter« fey aufzustellen. Mutter Natur hatte ihn nichts weniger als stiefmüt« terlich ausgestattet. An seinem Aeußern vermißte man fast ganz das Charakterische mancher Nachkommen Abrahams. Er war von mittler Statur und zartem Gliederbau, der Mangel gymnastischer Uebungen in der Jugend bewirkte, daß es seinem Körper an Geschmeidigkeit und Gelenksamseit fehlte. Milder Ernst ruhte auf der Stirn, sein dunk« les Auge funkelte und verrierh die regeThärigkeit seines Geistes, seine Wangen glühten, ein sanftes Lächeln umschwebte öfters seinen SKtuib. Offenheit, das Siegel des Edelsinns und der Spott des Schurken, lag über sein Antlitz verbreitet. Sein Sprachorgan war wohltönend, sein Ausdruck rein, warm, gewählt. Rastlos war die Wirksamkeit seines Geistes, tiefer Scharfsinn, ruhiger Forsthungsblick, seltene Abstraktionsgabe, eonsequentes Den« ken, feurige Einbildungskraft und treues Gedächtniß waten die hervvrstehendsie» Eigenschaften desselben. Witz, der sich sonst unter den Israeliten nicht selten findet, war ihm