Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd.4 H. (1811)
- Article
- Biographie des Herrn Lucius Liffmann, der Heilkunde Doktor
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 3)
- Language
- German
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um jene Zeit sehr feurig. Kein Tag verfloß, ohne daß er nicht zweimal die Synagoge besuchte und sich in den mofalsche» Gebräuchen übte. So wie diese Erziehung das unverkennbare Gute hatte, daß sie sein von Natur reines Her; mit einer unbegränzten Liebe zu allem Edlen durch» siromte, seine Brust mit einer zarten Gewissenhaftigkeit er« fällte und ihm ein einfaches unschuldiges Leben gleichsam zur Gewohnheit machte; so erzeugte doch auf der andern Seite seine fast klösterliche Eingezogenheit, und die Tro» Neuheit und Einförmigkeit seines Unterrichts die natürliche Folge, daß er beständig einen Anstrich von Schüchternheit und Mangel an Zuversicht behielt, daß er feinem Körper keine gefällige Haltung zu geben wußte und daß ihm manches fremd blieb, was man sonst spielend zu lernen pflegt. Den Rest der Zeit füllte er mit Schreiben , Rechnen und Lesen aus. Jetzt kam sein älterer Bruder von Frankfurt am Main, wo er gleichsam die jüdische Akademie besucht hatte, zurück *). Die Ermunterungen und das Beispiel desselben, Waren ein neuer Sporn für Lucius, seinen Fleiß zu ver» doppeln. Rastlos arbeitete er nun, öfters bis in die tiefe Nacht. ״Man werde, soll er oft versichert haben, in den Kasselschen Lcihbibl!otheken nicht leicht ein guters Buch finden, das er nicht damals gelesen habe."— Auch Sprachen waren jetzt der Gegenstand seiner Anstrengungen. Harmlos verstrichen so feine Tage bis ins achtzehnte Jahr. Nun nahm ihn sein Oheim, der Ober-Hofagent *) In Frankfurt sollen sich damals 600 Studenten der jüdischen Thcologit befunden haben.