Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Darstellung der Töchterschule des jüdischen Philantropins in Frankfurt am Main
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
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187 des öffentlichen Unterrichts seyn, wohl aber bas Edelste und Ausdruckvollste dieser Kunst» der melodische Gesang» welcher unstreitig zu den schönsten Zierden des Weibes und reizendsten Unterhaltungen des Menschen gehört. Was das Tanzen betrifft, so kann nicht geläugnet werden, daß es dem Körper eine bessere Haltung und den Bewegungen mehr Grazie giebt; was sind aber diese Vor» theile gegen den Schaden, den es täglich stiftet? Wer zahlt die Opfer, die ihm schon gefalle» sind? Wie man. ches Mädchen brachte ein Ball um seine Gesundheit oder gar um seine Unschuld» wie manches Weib stürzte sich deswegen auf lange Zeit in die unangenehmste Verlegen« heit! Schon die ungewöhnliche und unnatürliche Schwärmerei einer ganzen Nacht macht für den folgenden Tag unbrauchbar, ja oft mürrisch und übellaunig: der gleichförmige Gang des Lebens ist aus dem Geleise gekommen und es kostet Mühe sich wieder in das Alltägliche zu finden. Man sage nicht: ״Ein gebildetes Weib wird selbst auf dem Dalle mit Mäßigung tanzen", die Erfahrung lehrt täglich das Eegentheil, auch steht das Aufhören nicht immer in seiner Gewalt Und wie viele Anlässe zu Zerstreuung, Aufwand und den daraus entstehenden Jntriguen, Liebes- Händel und selbst gänzliche moralische Versinkung bietet dieß Vergnügen nicht dar. Wahrlich, die Ucbcl, die daraus entstehen können, wenn cs zur Leidenschaft wird, sind unzählig und es ist ein Bewels von der Allgewalt der Mode, wenn vernünftige Eltern ihre Töchter tanzen lernen lassen- Aber wem« sie es nicht in der Schule lernen, werdensie es später für sich thun? Das kann freilich seyn; indes-