Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Darstellung der Töchterschule des jüdischen Philantropins in Frankfurt am Main
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
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und erwitdern, graziöse Verbeugungen »lachen und was dergleichen Dinge mehr sind, so ertheilt man ihm das schöne Prädicat: gebildet. Man glaubt daher, es nichr frühe genug in Gesellschaften führen zu können, damit das Kind feine Lebensart lerne und seine Blödigkeit ablcge. Das Letztere erfolgt leider gar zu bald; das an Vernunft und Jahren noch kindische Mädchen tritt aus seinem Kreise heraus und setzt sich den Erwachsenen gleich, macht diese!, den Ansprüche, verliert seine kindliche Unbefangenheit und Naivität, ja oft seine Munterkeit, lernt Empfindungen erkünsteln, die es noch gar nicht kennen sollte, und wird «in affektirtes Geschöpf. Dieser naturwidrigen Behandlung soll die Schule mit aller Kraft entgegen arbeiten, indem alle Lehrer bemüht find, das Mädchen in den Schranken der Natur zu er. halten und ihm bei jeder Gelegenheit das Mißfällige und Unschickliche aller Affcktation und Empfindelei zu zeigen, von der andern Seite aber ihm durch Lehre und Beispiel wahre Höflichkeit in Motten und Handlungen schätzenswerth zu machen. Jedoch das Wichtigste in der Bildung des Mädchens ist unstreitig die Erweckung, Veredlung und Belebung des moralischen, religiösen und ästhetischen Gefühls. Die Natur hat uns Winke gegeben, wie wir dabei verfahren sollen. Das Weib hat einen feiner« Takt, einen zartern Nervenschwling; das Gute und Schöne wirkt schneller auf sein reges Gefühl, aber es ist gar nicht ge« neigt seine Gefühle zu zergliedern und in ihre Elemente aufzulösen. Es hat einen gewissen Widerwille» gegen diese Zergliederung, so wie überhaupt gegen alles abstrakte Wis-