Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Darstellung der Töchterschule des jüdischen Philantropins in Frankfurt am Main
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
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179 Eine sorgfältige frühe Bildung ist, in mancher Hin« sicht, dem Mädchen noch nothwendiger als dem Knaben. Der in seiner ersten Jugend versäumte Jüngling wird bei seinem Eintritt in die Welt von unzähligen Triebfedern in Bewegung gesetzt: Bedürfnisse und Leidenschaften ttei« bei, ihn an, daS Versäumte nachzuholen, und sein bcharr« licher Geist weiß oft alle Hindernisse zu besiegen und sich unter den drückendsten Verhältnissen emporzuheben. Nicht so das versäumte Mädchen. In einem engcrn Kreis ein« geschlossen, können nicht so viele Leidenschaften erregt, nicht so viele Triebfedern in Bewegung-gesetzt werden. Eine ist's, die es am stärksten anspornt, Ehrbegicrde oder Eitelkeit und der Trieb zu gefallen. Ohne Leitstern und unfähig nach einem vernünftigen Plane zu handeln überläßt es sich dem blendenden Scheine der Welt und feinen Umgebungen. Da hört eS nun von schöner Littera« tur, von Schauspielen und Romanen, deutsch und französisch raisoni'ren und fängt an zu lesen. Wohl dem Mäd« chen, dessen Wahl von einem erfahrnen und vorsichtigen Freunde geleitet wird! das ist aber bei wenigen der Fall; die meisten überlassen sich dem eignen Geschmack und dem, in ihrem Kreise herrschende» Tone. Die jugendliche Phan« tasie ergötzt sich an den reizenden Gemälden aus einer Ideenwelt, wo Gefühle und Leidenschaften so oft mit den trockenen Weltverhältnissen »nd Convcnicnze» im Streite liegen und einen glorreichen Sieg davon tragen. Da bil« dek sie sich eine schöne Welt und gefallt sich in ihrer Schöpfung, bis die rauhe Wirklichkeit das schöne Gebäude zer« stört- Wohl dem Mädchen, wenn eine bloße Tä»schung N->