Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Darstellung der Töchterschule des jüdischen Philantropins in Frankfurt am Main
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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178 chm Arbeiten ist alles, was das Mädchen zu seinem 55«* ruft braucht, so denken noch viele Eltern unter uns. Liest Meinung verliert desto mehr von ihrer Wahrheit, ft grö« ßere Fortschritte das männliche Geschlecht in seiner Dil« düng macht. Das Weib soll Nicht allein Gattin und Hausfrau, es soll auch Gesellschafterin des Mannes und seine vertrauteste Freundin seyn; wird aber ein Weib, das in der Bildung des Geistes so weit hinter dem Manne zu« rück geblieben ist, die zu einem solchen Verhältnisse erfor« derlichcn Eigenschaften besitzen? Kann wahres Vertrauen ohne gegenseitige Achtung bestehen und muß dieses nicht ganz verschwinden, wo jede Unterhaltung, jeder außerge» wohnliche Vorfall die Schwachen des Geistes entdeckt? Mag sie eine nock) so gute Hauswirthin seyn, sie wird dennoch in den Angen des gebildeten Mannes nicht den Rang behaupten können, der der Gattin bei den cultivir« testen Völkern znerkannt wird und auf welchen jede in der Thal Anspruch niacht. Aber nicht der Mann und die Frau allein sind es, die eine solche Vernachläßigung in der Erziehung fühlen, weit mehr erstreckt sich ihr Einfluß auf die zarten Spröß« linge, deren erste, beste und wirksamste Erzieherin die liebendc Mutter ist. Von ihrer Behandlung in den ersten Jahren hängt oft die ganze Gestaltung des Charakters und daher das Schicksal des jungen Menschen ab; alle Erzie, hnngsanstaltcn und Schulen können schwerlich den in de« frühesten Jabrcn gestifteten Schaden wieder gut machen; ja der größte Thcil des Einflustcs solcher Anstalten auf Her; und Charakter gehört dem häuslichen Wirken der Mutter an.