Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Fragmente aus der Einleitung zu einem noch ungedruckten Werke: Früheste Kulturgeschichte des Menschengeschlechts
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 18)
- Language
- German
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169 fen Takts oder Rhythmus zu befleifiiqen, und indem inan «infache Töne nach einer gewissen Ordnung erneuerte, verschwand das ermüdende Einerlei. Damit ist aber auch der Kreis der Aeußerungen des musikalischen Gefühls bei den ersten Menschen geschlossen. Zwar kernten sie wohl, eben so wie sie durch die Zunge gewisse Töne hervorzubringen und rhythmisch zu wiederholen im Stande waren, auch anderer Körper zur Erzeugung eines Klangs sich zu bedienen; aber noch war mit der Empfindung oder dem Bewußtscyn des Eindrucks, den eine taktmastige Wiederholung eines Tons oder Klangs auf sie machte, weder Vorstellung noch Begriff verknüpft. Die Sinnlichkeit war noch zu vorherrschend, als daß die Seele auf jenen Eindruck zu merken, etwas daran zu un« terscheiden oder überhaupt das Bewußtscyn des Empfun« denen zu einer vollkommenen Klarheit zu erheben vermocht hatte. Noch war daher die Empfindung nicht zu einer Vorstellung übcrgegangcn, noch war der Mensch nicht im Stande zu bestimmen, ob der laute oder starke Ton, den er empfand, rauh oder sanft war. Ehe die Menschen mit ihren Empfindungen von Töncn Vorstellungen verbinden lernten, mußten sie erst Jahr- Hunderte lang bloß empfunden haben. Selbst dann, als sie anfingen, mit den Empfindungen Vorstellungen zu ver. binden, waren diese letzter!! gewiß lange Reihen von Zeilen hindurch so mangelhaft und beschrankt, daß der Einfluß fast eben so lange unmcrklich blieb. Ueberhaupt sind die Gesetze, welche die Seele beim Denken befolgt, gewiß weit eher entdeckt worden, als die der Empfindungen: