Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Fragmente aus der Einleitung zu einem noch ungedruckten Werke: Früheste Kulturgeschichte des Menschengeschlechts
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 19)
- Language
- German
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denn beim Denken ist sich die Seele ihrer Operationen mehr bewußt, als beim Empfinden. Im letztem Fall muß nämlich die Seele erst die zerstreuten Stücke ihres Empfindungsznstandes durch die Eroberung wieder zusammensammeln, an andern beobachten und aus diesen gesamweiten Beobachtungen nach und nach eine Theorie zusammcnsetzcn. Undenkliche Zeiten hindurch können daher die Menfchen Aeußerungen von dem in ihnen liegenden musikalischen Gefühl an den Tag gelegt haben, ohne auf die ersten Verschiedenheiten, die man an den Tönen wahrnehmen kann, aufmerksam geworden zu seyn. Unwiderlegbar wird dieß durch Thatsachen bewiesen: denn selbst noch jetzt fin« den wir Völkersiämme nicht nur in Amerika und Afrika, sondern selbst in Asien, die seit Jahrtausenden Musik geliebt und ausgeübt haben und bei denen sich dieselbe doch noch immer in diesem ersten rohen Zustande befindet. Wollen wir diesemnach die ersten Aeußerungen des musikalischen Gefühls als den Anfang der Musik bezcichnen, so war dieselbe bei den ersten Menschen nichts als Klang, Geschrei, Geräusch, ohne alle Rücksicht auf einige der unendlichen Modifikationen desselben und selbst dessen rhythmische Wiederholung konnte nicht anders als mit der größten Unvollkommenheit von statten gehen, so lange man nicht wenigstens einfache Instrumente hatte, deren Erfindung >nan jedoch nur im Laufe der Zeiten dem Zufall zu verdanken haben könnte