Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Fragmente aus der Einleitung zu einem noch ungedruckten Werke: Früheste Kulturgeschichte des Menschengeschlechts
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 16)
- Language
- German
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167 Entstehung des musika lischen Gefühls. Eben so wie die Sprache ist auch die Musik in ihrer Entstehung nichts als Ton, leidenschaftlicher Ausdruck eines aus der Empfindung entspringenden Gefühls. Den Keim dazu hatte der Mensch, schon bei seinem Eintritt in die Einnenwelt, mitgebracht, und das erste Lallen des Kindes ist als der erste Anfang zu der Entwickelung dieses Keims zu betrachten, gleichwie dasselbe zugleich der erste Ausdruck irgend eines Gefühls ist, es sey nun das Gefühl eines Bedürfnisses oder eines Vergnügens. Die Töne der sowohl lebenden als leblosen Wesen in der Natur haben «ine natürliche Ursache des Gefallens und Mißfallens in ihrem Verhältnisse zu den Gehörnerven. Denkt man sich nun den Ton oder Klang in seinen verschiedenen Mod ifikationen z.B. als laut, leise, scharf, rauh, sanft, dunkel, dumpfig, dick, dünn u. s. f. und wie er im Stande ist, in diesen mannigfaltigen Modifikationen aufs Gehör und dadurch auf die Empfindung des Menschen zu wirken, so hat man den Ursprung des musikalischen Gefühls in ihm gefunden und sobald sich dasselbe auf irgend eine Art äu« ßcrt, ist Musik da. So wenig cs darum einen ersten Er« findcr der Sprache gegeben haben kann, so wenig hat es einen Erfinder der Musik gegeben: denn da jcdciu Menschen Gehörs - Organe verliehen sind, so muß in jedem sich auch das musikalische Gefühl äußern. Es ist aber der Mensch in seinem ersten Zustande ein bloß leidendes Geschöpf, das den Eindrücken der Natur und des Instinkts folgt, ohne weiter darüber nachzusinnen. Die Kräfte seiner Seele sind noch nicht in Thatigkeit gesetzt