Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 2 H. (1811)
- Article
- Biographie des Herrn Marcus Herz
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 16)
- Language
- German
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schwieriger die Herstellung war, desto größer war der Ei« fer und die Liebe, mit welcher Hand von ihm angelegt wurde. Entfernter von Charlatanerie, Eclbstlob und Dünkel kann kein praktischer Arzt se»n, als er und seine Heiden Freunde, der Geheime Rath Selle und der Ge« ncralchirmgus Voituses, waren. Mit diesen beiden unvergeßlichen Männern war er genau verbunden, und mit dem ersten hatte er besonders die Eigenschaft gemein, daß beide bei zunehmender Praxis, vcrmehnem Ruf und steigenden Jahren freimüthig die Granzen ihrer Kunst ge« standen, und nach dieser Uebcrzeugung vor dem Kranken« bette handelten. In der angeführten Geschichte seiner eig. nen Krankheit, wo ihn Selle behandelte, kommcnSpu« ren von dieser Ucberzengung vor, so wie überhaupt jener Aufsatz und die Krankheitsgeschichte des Prof. Moritz nicht unwichtige literarische Produkte von ihm heißen müstcn, man mag nun auf Vortrag oder die darin ent« haltene praktische Psychologie sehen. Eben weil er die Medicin aus jenem liberalen Gesichtspunkte betrachtete und künstlerisch ausgcübt wissen wollte, verachtete er den großen Haufen der Mediciner mit gemeiner eigennütziger Seele, und »airnte sie Dutzend - Aerzte, Handwerker, oder was sein sarkastischer Witz ihm sonst für Benennungen eingab. Er gestand aber auch seinen Freunden sehr oft, daß ihm schwere Kranke, die ihm Ehre und Belohnung cingebracht hatten, genesen waren, deren Herstellung er seinen Vcrordnmrgen nicht wohl zuschreiben konnte. Mit jener scherzenden Freimüthigkeit, die nur dem Aderten in seinem Fache eigen ist, pflegte er dann