Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 2 H. (1811)
- Article
- Biographie des Herrn Marcus Herz
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 15)
- Language
- German
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niß fremd, die reine Weltweisheit über alles achtete, ihren Richterstuhl für den obersten erkannte, ihre Aussprüche für die einzigen ansah, nach welchen die Menschen denken und handeln müßten und auch wirklich dachten und Handcltcn, sobald nur diese ihrem Gesichtskreise nahe genug gerückt und ihre Sprache ihnen verständlich gemacht würde. Aber mein Eintritt in die Welt hat mich bald meines Irr» thnms überführt, hat inich zu meinem Erstaunen belehrt, dasi Meinungen einer gewissen Klasse ganz die Natur der Neigungen annchmen, die, wider die Einsicht und Dilligung des Besseren, dennoch das Schlimmere wählen; hat mich belehrt, daß dem größten Theil der Menschen das beständige Halten der Vernunftwaage ein beschwerliches Geschäft sey, daß sie besonders in gewissen Dingen es bequemer finden, an Gewohnheit und alten Brauch sich zu halten, so nachtheilig auch mittelbar die Folgen davon seyn mögen, und daß Haß und Verfolgung das Wenigste ist, was demjenigen zu Theil wird, der sie dieser ruhigen Bequemlichkeit zu entziehen wagte." — Heber seinen Werth als Arzt hat die Achtung entschieden, die er unter den angesehensten Kunstverwandtcn genoß, und das Glück und der Beifall, mit welchem er als solcher in einer der größten Städte gewirkt hat. Er trieb sein Geschäft mit Liebe und mit einer seltenen Uneigennü- Higkeit. Die Arzneikunst wurde von ihm, wie sie heißt, als eine Kunst und mit Künstlersinn behandelt. Jeden be deutenden Kranken, ohne Ansehn der Person, betrachtete er als ein verstümmeltes Kunstwerk, und je größer die Verlegung, je versteckter die Ursache der Unordnung, je G 2