Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Ideen über religiöse Erziehung und Religionsunterricht
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 12)
- Language
- German
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fwn, werde der Knabe, ungleich jenen Schönschwätzern, von den Besinnungen der Tugend und Religion durchglüht, ohne diese Narren je gehört zu haben, und — was mö wichtigste ist — werden dieselben aus seinem innern Ich entwickelt, nicht in dasselbe hineingepfropft. Ich füge hier noch einen Gedanken hinzu, welchen ich unfern Pädagoge» und Theologen zur Prüfung vorzulegen wage. — Es ist bekanntlich uns so schwer, und cs war den Alten so leicht, die Religion gleichweit von Verfolgungssucht und von Gleichgültigkeit entfernt zu halten. Die Ursache dieser Verschiedenheit ist bereits von mehrern Politikern sehr richtig erläutert worden. Die Alten hielten nämlich jeden Gottesdienst für wahr, insofern er das Land betritt, in welchem er eingeführt ist. Co war z. D. den Römern Zeus der Gott der Griechen, Lheut der Deutschen, Jupiter der ihrige. Verfolgung oder Proselyteninachcn war also ihrer Religion gerade entgegengesetzt. Die Propheten unserer Religion, als Verkünder der wahren Gottheit, durften nun freilich einen solchen Glauben nicht lehren, aber ihre Weisheit verhinderte sie dennoch demselben in Rücksicht auf seineil praktischeu Nutzen direkt zu widersprechen, oder für dessen Auf- Hebung besorgt zu scyn, daher er— wie Jephta's bekannte Aeußerung bezeugt — unter minder erleuchteten Männern sehr int Gange war, so daß er selbst einem Propheten (Jonas) so lauge anhing, bis ihn Gott der Belehrung würdigte. Auch die Israeliten betrachteten also Bekehrungssucht als ein Unding, als ein Verbrechen wider die