Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Ideen über religiöse Erziehung und Religionsunterricht
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2304627-2304628-2304630-10858299-2305637--02923-2305832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ihr zieht? Sollte der Satz so ganz verwerflich ftnn: Der Mensch muß in gleichem Verhältnisse mit der Menschheit in der Erkcitntniß und Kulttw fortschrcicen? ״Der erste Unglückliche — sagt, ich erinnere mich nicht mehr welcher Schriftsteller — war der erste Gottesforscher.״ Diese Deduktion des Glaubens scheint mir eben so schön als fruchtbar. In der That, sobald der Mensch die Leere in den spurlosen Erscheinungen der Körperwelt zu fühlen begann, sobald der Begriff des Rechtes und Unrechtes, und das nachstvcrwandte Gefühl des Sittlichen und Unsittlichen in seiner Brust entstand, so war der wichtigste Schritt zu dieser großen und bcseeligenden Erkenntniß gethan. Bald nach dieser Periode mußte ihn sein Inneres auf ein höheres Wesen, auf eine höhere Bedeutnng, auf einen tiefer» Sinn dieses Lebens führen. Also erst eine geraume Zeit nach der Entwickelring der körperlichen Kräfte begannen auch die geistigen sich zu entwickeln. Warum folgte man nicht diesem Gange der Natur ״) in der Erziehung? Warum widmet man nicht etwa die sieben oder acht ersten Jahre des menschlichen Lebens der körperliehen Bildung? — Von Natur schließt der Mensch — ich wage es dieß zu behaupten — alle Anlagen der Thicrc in *) Der Verfasser sicht cS selbst ein, daß die Ausführung diese? Plane? für den Erzieher nur in eine ideale Pädagogik gehört. Ob er jedoch auch den Eltern UNausführbar scy — das mögen Männer von reiferer Einsicht entscheiden.