Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Ideen über religiöse Erziehung und Religionsunterricht
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 4)
- Language
- German
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ncn י warum werden in der Privat - Erziehung vornam« lieh die gymnasiischcn llebungen so sehr vernachlaßigt? — Warum, mochte ich ferner fragen, wird die Tugend so häufig dcmonstrirt, so selten gelehrt? — Man kann ja den Knaben an's Entsagen, an die kindliche Liebe gewöh« neu, ihm Gefühl für Recht und Unrecht beibringen, ohne ihm die Tugend je genannt zu haben. — Das ewige Lehrcn und Hofmeistern an Kindern dieses Alters bringt nur Schönfchwatzer hervor, die großen und bcsecligenden Lehren der Religion sind ihnen noch zu hoch, und werden entwe« der ganz in den Wind geschlagen, oder sie arten dereinst in die asthenische Krankheit der Kopfhangcrci und des Fanatismus, oder in die sihenische der Intoleranz und des Zelvtismus aus. Zu welcher Zeit aber soll man den Knaben mit den Wahrheiten der Religion bekannt machen? Soll man mit Rousseau dieses auf die Jünglingsjahre verschieben, oder, nach der Meinung anderer, ebenfalls sehr verdien« ter Erzieher, ihn schon im Säuglingsaltcr den Namen Gottes lallen lehren? Aber wird im ersten Falle sein Glaube auch tief genug haften? Wird er im andern, auch rein und philosophisch, ja was noch mehr ist, auch herzlich genug bleiben, zu einer Zeit, wo er fast alle Begriffe der Kindheit ablcgt? Und spricht die Erfahrung nicht deutlich genug für die Negative? Ich wage es nicht eine so schwere Frage entscheidend zu beantworten. Aber fragen möchte ich, wie geht cs zu, daß man auch hier Autoritäten, und nicht die größte und deutlichste, dir Natur selbst, zu Ra-