Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Ideen über religiöse Erziehung und Religionsunterricht
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 3)
- Language
- German
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21 gültigkeit betrachtet, wie der im Schooße deS Ueberflusses Eeborne den Werth des Geldes nicht kennt, weil er nie das Bedürfniß desselben fühlte, eben so wenig erkennt der Mensch den Werth einer Wahrheit, die man ihm zu einer Zeit austrang, da er sie noch nicht zu würdigen verstand. Ja, was noch weit schlimmer ist, er schäint sich wohl gar derselben als eines Glaubens seiner Kinderjahre, an welchen er zwar oft mit Wohlgefallen zurückdcnkt, dessen Annähme aber er für Schwärmerei halten würde. — Was Wunder also, wenn der kindlich - religiöse Sinn immer mehr und mehr in ihm erlischt, und dieser, den man ihm gab, als er ihn noch nicht zu würdigen verstand, nun da er dessen bedarf, ihn verlaßt? Stets der Natur gemäß! Das ist und muß die Negel des wahren Erziehers fcyn! Suche ihren Gang weder zu befördern noch zu verspäten, aber die Mannichfaltigfeit ihrer erhabenen Lehren werde durch deine Beihülfe zur Einheit im Geiste deines Zöglings! Nun geht in der Natur die Entwickelung der Sinne der geistigen Entwicklung weit vor, folglich muß auch die Erziehung zuerst auf diese wirken. Warum füllt man also die ersten sieben Jahre des kleinen Weltbürgers mit Dingen ans, von denen er m diesem Alter nicht ein Jota begreifen kann, mit moralischen und religiösen — nicht Lehren, sondern Sentenzen? Warum übt man nicht lieber seine Sinne an den mannichfaltigen Gegenständen der Natur, warum lchrr man ihn nicht lieber die Lhierc und Pflanzen um ihn her, an welchen Kinder ja ohnehin so großen Reiz sinden, näher keu-