Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Ideen über religiöse Erziehung und Religionsunterricht
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 2)
- Language
- German
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Mensch-Ideal hinemgezwängt und hineingepreßt ist, und hindert die schöne Entfaltung der Natur, um seine Treib« Hausfrüchte cinznpfropfcn, um im Menschen, nicht den Menschen, sondern eine Drathpuppe seines Systems zu erziehen, und betrachtet sich, Gott weiß mit wie vieler Selbstgenügsamkeit, wenn er nur den Tag über brav abregelt und aberzieht, und nicht die Regel nach dem Menschen, sondern den Menschen nach der Regel umschafft. — Aber auch hier wie in allen Dingen rächt die Natur jeden an ihr begangenen Verrath, und Charakterlosigkeit und Unhaltbarkeit der Grundsätze ist die gewöhnliche Folge einer solchen Pseudo - Erziehung. Denn so wie die allzu« frühe körperliche Entwickelung des Menschen nur überreife Jünglinge und frühe Greise bildet, so bildet das Emancipiren der geistigen Natur (denn das Genie entwickelt sich ohne fremde Beihülfe) nur frühe Geistesleere und frühen Mangel an Geisteskraft und Selbstständigkeit. — Aus diesen, wie ich glaube, unläugbarcn Principien, würde ein von dem gewöhnlichen sehr verschiedenes System des Religions - Unterrichtes folgen. Es ist ein altes, sehr bekanntes und sehr richtiges Axiom: ״Man müsse das Gute nicht itt Besseres zu ver« wandeln streben", d. i. wer den Mangel einer Sache nicht fühlt, muß durch den Besitz derselben nethwendig mehr verlieren als gewinnen. Denn so wie der Europäer «in Blatt Papier, «in tuchnes Kleid und tausend und aber tausend Produkte des Kunstfleißes mit der größten Gleich-